Ansatz

Für die Ausrichtung, die fünf Kernkompetenzen der emotionalen Intelligenz (EI) zu entfalten, verbinde ich in meiner Arbeit die Achtsamkeitspraxis mit ausgewählten Ansätzen des Coachings, u. a. Hakomi – die erfahrungsorientierte Körperpsychotherapie, das Internal Family Systems Modell (IFS), den potentialorientierten Ansatz im Sinne der humanistischen Psychologie sowie die systemische Aufstellungsarbeit. Mein Fachwissen beruht auf einem intensiven Studium der Pädagogik und Persönlichkeitspsychologie, der potentialorientierten Trainerausbildung bei ROCK YOUR LIFE! und insbesondere der vertiefenden Coaching-Weiterbildung bei Dietz Training und Partner. Unter Wahrung der Grenze zur Therapie nutze ich in den Interventionen ein breites und wirkungsvolles Methodenrepertoire.

5 Kernkompetenzen der EI:

  • Selbstwahrnehmung
  • Selbstregulierung
  • Selbstführung
  • Empathie
  • Beziehungsarbeit

Zu Veranschaulichung möchte ich nachfolgend auf drei wesentliche Aspekte meines Vorgehens eingehen:

Zugang zur Innenwelt durch Achtsamkeit

Arbeit mit Persönlichkeitsteilen

Potentialorientiertes Vorgehen und Nutzung von Ressourcen

Eine häufige Redewendung ist: „Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier“. Tatsächlich verrichten wir viele Tätigkeiten im Alltag automatisch, ohne darüber besonders viel nachdenken zu müssen. Wir stehen morgens auf, bereiten uns auf den Tag vor, laufen zur Bahn oder zum Auto und legen die gewohnte Strecke zur Arbeit zurück. Auf dem Weg machen wir noch einen kurzen Stopp bei unserem Lieblingsbäcker und holen uns den obligatorischen Muntermacher in Form von Kaffee und Brötchen. Solche routinierten Abläufe sind jedem bekannt.

Das Gewohnheitsverhalten lässt sich auch in Interaktionen und zwischenmenschlichen Beziehungen beobachten. Der Gruß an die Kollegin am Empfang, sobald man das Bürogebäude betritt, der Plausch mit dem Hausmeister, solange man auf den Aufzug wartet und der Rückruf eines wichtigen Anrufs, welcher am Vorabend noch auf dem AB hinterlassen wurde. Automatisierte Abläufe sind wichtig, denn sie erleichtern uns das tägliche Tun und ermöglichen es uns effizient zu sein.

In herausfordernden Situationen oder bei besonders weitreichenden Entscheidungen können sogenannte automatische Reaktionen jedoch kontraproduktiv sein. Meistens handeln wir in solchen Momenten impulsiv und sagen oder tun etwas, das wir später bereuen.

Wenn unser Verhalten uns selbst staunen lässt

Melissa ist eine besonders hilfsbereite Person und kümmert sich gerne um die Menschen in ihrem Umfeld. Seit zwei Monaten hat Melissa eine neue Kollegin im Büro, die sie intensiv während ihrer Einarbeitung begleitet. Die neue Kollegin kommt nach wie vor mehrfach täglich in Melissas Büro, um Unterstützung bei ihren Aufgaben zu erbitten oder eine Frage zu stellen. Obwohl Melissa sonst immer ein offenes Ohr hat, reagiert sie bei dieser Kollegin gereizt und abweisend. Ohne den Blick vom Bildschirm abzuwenden, gibt Melissa schnaubend ein abgehacktes „später“ von sich und gibt der Kollegin zu verstehen, sie solle gehen. Im nächsten Augenblick hat sie diese Reaktion auch schon wieder bereut.

Das ist eine typisch automatische Reaktion, welche die Klientin belastet und Anlass gibt, sich mit ihrer eigenen Selbstführung genauer zu befassen.

Wie das Beispiel zeigt, gibt es Gewohnheiten, die eher unerwünscht sind, die uns belasten und die wir einfach nicht nachvollziehen können, egal wie lange wir versuchen, sie rational zu erklären. Oftmals sind uns diese automatischen Reaktionen zunächst einmal nicht bewusst. Erst wenn es zu einer Wechselwirkung in unserem Umfeld kommt, d. h. unser Gesprächspartner auf eine unangenehme Weise auf unser Verhalten reagiert, bemerken wir die Diskrepanz.

So lässt sich festhalten: Wenn ein Verhalten einen wunden Punkt bei uns berührt, kommt es zu einer emotionalen Reaktion, die automatisch abläuft. Auf diese Reaktion folgt ein Verhalten, welches wiederum einen wunden Punkt beim Gegenüber treffen kann. In kürzester Zeit entsteht auf diese Weise ein Konflikt, welcher rational schwer zu erklären und zu entspannen ist. Aber welcher Zugang verschafft dann Entlastung? Eine auf Emotionen basierende Reaktion erfordert emotionalen Zugang, um eine Veränderung in Gang zu setzen. Dieser Zugang führt unmittelbar in die Innenwelt des Menschen.

Zugang zur Innenwelt durch Achtsamkeit

Um ein Verständnis für die Praxis der Achtsamkeit zu bekommen, möchte ich zunächst vor Augen führen, welche Beschaffenheit unser Alltagsbewusstsein hat. Die Art und Weise, wie wir das tägliche Geschehen wahrnehmen, ist so schnell und selbstverständlich, dass wir völlig mit dem Wahrgenommenen identifiziert sind. Im Grunde ist unser Alltagsbewusstsein gänzlich unbewusst. Ereignisse geschehen einfach. Das heißt wir sind mitten drin und nicht nur dabei. Wir orientieren uns ausschließlich an der Außenwelt, indem wir unser Verhalten an sie anpassen. In diesem Zustand sind wir in der Lage sehr schnell und effizient Aufgaben zu erledigen und den an uns gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Es lässt sich nicht leugnen, diese Form der Wahrnehmung macht uns zu effizienten und tüchtigen Wesen, deren Leistungsfähigkeit v. a. für die Gesellschaft von großem Nutzen ist.

Allerdings hat das  Alltagsbewusstsein auch eine Schattenseite. In emotional schwierigen Situationen kann es schnell zu einer Überforderung kommen. Wichtige Ereignisse könnten wir ungewollt sabotieren. Der Zustand im Alltagsbewusstsein macht es uns nämlich sehr schwer, innezuhalten und folglich besonnen zu handeln. Doch welcher Zustand ist dann sinnvoll?

Der Zustand, der eng mit der Idee von Achtsamkeit verknüpft ist, kann mit einem sogenannten „inneren Beobachter“ gleichgesetzt werden. In der Funktion des inneren Beobachters ist es uns möglich, eine gewisse Distanz zum Geschehen zu halten. Mit etwas Abstand haben wir einen klareren Blick auf die Ereignisse und uns selbst. Durch achtsames Verweilen und wertfreies Beobachten schaffen wir einen Zugang zu den Vorgängen unserer Innenwelt. Wir erhalten durch Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle Hinweise, die uns im Alltagsbewusstsein verborgen geblieben wären. Durch die Entschleunigung können wir genau hin spüren und unsere Erkenntnisse in reflektiertes Handeln übersetzen.

Es überrascht nicht, dass in unserer heute sehr schnelllebigen Zeit die Achtsamkeit keine leicht umzusetzende Alltagspraxis ist. Es wird gesellschaftlich gefordert, dass wir immer schneller und immer besser werden. Mangels Erfahrung sind wir es nicht gewohnt, bewusst innezuhalten und achtsam in uns hineinzuspüren, bevor wir den nächsten Schritt machen. Genau das macht aber den großen Unterschied für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben aus. Ein regelmäßiges und gezieltes Achtsamkeitstraining kann dieser Gewohnheit entgegenwirken und so Abhilfe schaffen. Ziel der Achtsamkeitspraxis ist es im hier und jetzt zu verweilen, das gegenwärtige Erleben bewusst wahrzunehmen und besondere Erkenntnisse über die eigene Innenwelt zu gewinnen, um diese für die Prozesse der Selbstregulierung und Selbstführung nutzbar zu machen.

Arbeit mit Persönlichkeitsteilen

Gegenstand meiner Arbeit im Coaching ist im besonderen Maße die Persönlichkeit mit all ihren Facetten. Um die Vielfalt der Persönlichkeitsteile für die eigene Weiterentwicklung zu nutzen, greife ich auf das Modell der Internal Family Systems (IFS) nach Richard Schwartz zurück, einem international bekannten Familientherapeuten, der in den 1980er die Idee von Persönlichkeitsteilen mit dem systemischen Denken verknüpft und damit die Dynamik zwischen verschiedenen Teilen erklärt. Genau dieser Aspekt ist eine Besonderheit am IFS Modell. Im systemischen Verständnis wirken die verschiedenen Teile miteinander und reagieren aufeinander. Dadurch entstehen Wechselwirkungen, deren genauere Betrachtung uns interessante Aufschlüsse über unser Erleben in herausfordernden Situationen gibt.

Nach Richard Schwartz können die von uns wahrgenommenen Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle und Impulse auf verschiedene Persönlichkeitsteile zurückgeführt werden. Es handelt sich dabei um einen sehr komplexen Zustand, der mehr als ein einzelnes Gefühl oder eine Eigenschaft ist. Vielmehr haben diese Persönlichkeitsteile Ähnlichkeit mit einem menschlichen Wesen und können in diesem Sinne durch Form und Gestalt entsprechend wahrgenommen werden. Diese Art und Weise mit Persönlichkeitsteilen umzugehen, hilft uns, Nähe zu ihnen zu schaffen und sie für uns greifbarer zu machen. Ziel in der Arbeit mit Persönlichkeitsteilen ist es, die Absichten und Bedenken von hervorstechenden und dominierenden Teilen in der Tiefe zu begreifen, damit diese Vertrauen entwickeln und Spannungen hinsichtlich des Coaching-Anliegens gelöst werden können.

Potentialorientiertes Vorgehen und Nutzung von Ressourcen

Ein besonderer Fokus in meiner Arbeit ist auf die Entfaltung der individuellen Potentiale des Menschen gerichtet. Im Selbst, dem Wesen einer Person liegt die Quelle des Potentials. Die oben beschriebenen Vorgänge, durch Achtsamkeit einen Zugang zur Innenwelt zu schaffen und mit Persönlichkeitsteilen in ihrer gänzlichen Vielfalt zu arbeiten, unterstützen den potentialorientierten Ansatz, indem der Weg zum Selbst gebannt und die Quelle des Potentials freigelegt wird.

Diese Art der Selbsterfahrung stärkt Dich in Deiner Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit. Schnell zeigt sich, welche Möglichkeiten gegeben sind und welche bestehenden Ressourcen genutzt werden können, um diesen Möglichkeiten auf den Grund zu gehen. Im Zentrum der potentialorientierten Arbeit stehen die Fragen: wer bin ich, was kann ich und wo will ich hin? Es handelt sich dabei um Fragen, die Dir die Richtung weisen, in die Du Dich bewegen möchtest, sobald Du Deine Potentiale frei entfalten willst. Es ist ganz natürlich, wenn im Prozess dieser Arbeit Zweifel,  Widerstände und Blockaden aufkommen. Durch gezielt angewandte Coaching-Methoden werden auch diese Empfindungen ernst genommen und umfassend beleuchtet.

Potentialorientiertes Vorgehen geht über den ressourcenbasierten Ansatz hinaus. Während Ressourcen als mehr oder weniger bekanntes Werkzeug für das Erreichen der eigenen Ziele gesehen werden können, ist das Potential ein meist noch verborgenes Energiefeld, welches es in seinem gesamten Ausmaß zu entdecken gilt. Diese Reise ins Innere und an die Basis des Potentials fördert die persönliche Weiterentwicklung erheblich. Grenzen werden ausgeweitet und das vorher als unmöglich Betrachtete ist auf einmal zum Greifen nah.

Die Größe des Menschen liegt nicht in dem, was er ist, sondern in dem, was er ermöglicht. – Sri Aurobindo